Die DiVa

Der Plattenladen

Der diVaische Plattenladen liegt in der Stadt an der Ecke, also nicht wirklich in der Stadt, ein bisschen ausserhalb.
Hier hat alles seinen eigenen Kopf, die Regale, der Schlüssel, die Tür und manchmal sogar der Brief. Auf der Dachterrasse ist befindet sich ein Schmetterlingsgarten, die DiVa versucht seit Jahren einen Briefschmetterling heranzuziehen, leider tanzt ihr immer ein Gedanke dazwischen.

Hinter Ihrer prilgeblümten Theke beobachtet die DiVa das Geschehen, schlägt Rate und leiht Ohren. Ihre Lieblingsstammkunden bleiben und kommen immer wieder. Jeder von Ihnen könnte die Weltherrschaft an sich reissen und ist herrlich unvollkommen. Wenn man Sie alle zusammenkneten könnte, formte man den perfektesten, schönsten und einzigartigsten bunten Knetmenschen den Knete je geformt hat. Doch wer will das schon, Imperfektion mit Hang zur Einzigartikeit, so sind der DiVas Lieblingsstammkunden, deren da wären:

Lotte

Die DiVa gibt es nur ungern zu, aber Lotte ist wohl das was man einen Lieblingskunden nennen würde. Lotte ist süss wie Zuckerwattebowle, schwerer beieinander zu halten als ein Flohzirkus und ständig verstrickt. Lotte weiss vorallem was sie nicht will, hat den Kopf in den Wolken und die wohlgeformten 4 Buchstaben am liebsten in der warmen Badewanne.

Püppi

Um Püppi zu beschreiben müsste man ein Bild malen. Ein Bil das Audrey Hepburn, die Venus von Milo und Marlene Dietrich kombiniert. Ein Mahnmal an die Schönheit, deren Veränderlich- und Vergänglichkeit. Püppi ist an Oberflächlickeit nicht zu überbieten, ihre angepasste Art ist ein Kleinod für Mitläufer und wenn Sie mal anders will, dann bleibt Sie sicher gleich.

Pilsener

Pilsener ist Besitzer der Trinkhalle gegenüber vom Plattenladen. Seine ungepflegte Kopfmatte pflegt er mit exzessiver Penibilität, seine Jeansjacke, so heisst es soll 1982 das erste Mal biergetränkt durch den balerarischen Sand geschleift worden sein. Pilsener ist irgendwie immer da, irgendwie auch nicht. Pilsener und Olpe sind Brüder im Geiste, auch wenn nie jemand verstanden hat über was die beiden reden.

Olpe

Olpe wurde 1950 in ruhrgebieterischen Proletariat geboren, als Sohn des ortsansässigen Gemischtwarenhändlers und seiner 2 Jahre jüngeren Frau, ihres Zeichens Hausfrau und Mutter. Olpe beschloss 1968 nach Rishikesh zu trampen und sich von Maharaishi Mahesh Yogi parallelisieren zu lassen. Leider kam Olpe nur bis Westermünde und begründete dort seine eigene Glaubensgemeinschaft. Was in den Jahren 68-heute passierte weiss niemand so genau. Olpe schon, er spricht ständig darüber, mit Pilsener und einem Lächeln. Ob Pilsener versteht weiss niemand, was Olpe sagt auch nicht, ein Teufelskreis.

Madame Anique

Die Grand Dame der Liebe. Sie hatte sie alle, heisst es: Kerry Grant, Alain Delon, Frank Sinatra, die Dietrich und Heinz Rühmann. Ihr wahres Alter und Ihre Geschichte sind nicht überliefert. Auch nicht ob Sie jemals flache Schuhe getragen hat. Wenn Anique kein Rendez- Vous hat, hat sich die Erde vor die Sonne geschoben. Manch junger Jüngling verfiel ihr über die Jahre, allen lehrte Sie die Sprache der körperlichen Liebe. Es heisst Sie habe Ihre grosse Liebe, Pierre Briece nie vergessen.

Herr Wagner

Wo Herr Wagner herkommt und wo er hingeht weiss niemand so genau. Seine kopflastigkeit sorgt regelmässig für blaugrünlilane Beulen an der Stirn. Alle Frauen lieben Herrn Wagner, keine berührt ihn. Hat er sie so wie er sie will, will er sie anders, will er sie anders, hat er sie so wie er sie will. Er hat die Welt analysiert, hinterfragt und Schwermut in Wermuth ertränkt. Man munkelt, würde er noch tiefer gräben, fände er in China seine Traumfrau.

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