Da sitzen Sie nun, die Backen hängen, die Haaren drahtig grau auf ihrem Kopf, inexistent auf seinem Kopf. Im Fernsehen läuft die Tagesschau, wie jeden Abend. Sie steht auf. Auf der olivfarbenen Samtcouch bleibt eine Delle. Genau wie überall an ihr, überall Dellen, denkt er. Das ging früher auch behender, das Aufstehen. Denkt er. Er kann Ihren Geruch nicht mehr ertragen,sie riecht immer ein bisschen nach Kartoffeln mit Kohl. Hätte er doch bloss Käthe Drubrowski geheiratet damals. Die wäre heute noch schön, fest, rieche nach Blumen, nach frisch gemähten Gras und mache nicht so rasselnde Schnarchgeräusche im Schlaf. Als ziehe man einen dickflüssigen grünen Schleim aus einem leeren Becher durch einen kleinen Strochhalm. Gott, wie er dieses Sofa hasst, die Wohnwand, Wuppertaler Barock und den Teppich, der seine besten Jahre schonlange hinter sich hat. Und da, die Bilder von den Kindern, den Enkeln, ihrer Hochzeit, der Hochzeit der Kinder, warum macht eigentlich keiner Bilder von Scheidungen? Weil keine Bilder mehr Platz haben über dem Fernseher. Gott sei Dank hat seine Schwiegertochter, Karl-Heinz verlassen, dieser Taugenichts von Sohn. Luisa, die hatte vielleicht Riesenöcken. Heimlich hat er immer hingesehen. Plötzlich, eines Nachts da regte sich wieder was, als er an Luisas tolle Brüste dachte, und dann fing sie an zu schnarchen wie ein verschnupftes Rhinozeros.
Er steht auf, verlässt das Wohnzimmer, zieht sich seine ausgelatschten braunen Schuhe an, die sie ihm vor zwei Jahren von Woolworth mitgebracht hat.
*Ich geh noch schnell auf`n Pils ins Eck* ruft er ihr zu. Sie ranzt ihn an aus der Küche, dass sie jetzt doch Essen gemacht hat, das er bitteschön gefälligst da bleiben soll, dass er immer weg ist, dass das ja wohl jetzt die Höhe sei, und dass ihre Mutter Recht hatte.
Er schliesst die Haustür, schliesst die Jacke über seinen Bierbauch. Draussen ist es grau, dunkel und kalt. Eigentlich, denkt er, wollte ich einfach nur mal vögeln, damals. Sie sei leicht zu haben, hatten seine Freunde gesagt, damals. Dass sie sich grad schwängern lassen würde, hatten sie vergessen zu sagen.

September 12th, 2009 - 22:13
… Klasse! Erinnert mich irgendwie an diesen Herrn – ein bisschen mein musikalischer Held!
September 13th, 2009 - 09:55
Ach ja. Herrlich. Ich glaube, dass es vielen Menschen – nicht nur Männern – so geht! Vielleicht sollte man einfach das machen, worauf man Bock hat. Sonst nix. Das wäre fein!
September 13th, 2009 - 10:05
Erinnert mich ein wenig an meine Kurzgeschichten. Alltag, liebe frau DiVa. Bei vielen. Leider.
September 13th, 2009 - 10:32
Ein Held für wahr, werter Herr Bebilderer, ob unser Held schonmal in NewYork war? Ich wage es zu bezweifeln.
Hallelujah, werter Herr Luttmann! Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal seine Frau zu Wort kommen lassen.
Aber doch nicht bei Ihnen, wertes Fräullein Pssst! Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, Sie riechen nicht nach Kartoffeln und Kohl, sie riechen sicherlich nach Rosen.
Herzlichst und guten morgen liebe freunde
Ihre DiVa
September 13th, 2009 - 11:18
Ich bin mir sicher auch Käthe Drubrowski riecht heute nicht mehr nach Blumen. Eher nach Blumenkohl.
September 13th, 2009 - 14:40
Es gibt Geschichten, die sind zu wahr um lustig zu sein. Aber unterhaltsam alle mal! Herzlich und verkatert, ihr Fräulein Johanna.
September 13th, 2009 - 18:00
[...] Dank an DieDiva für die [...]
September 13th, 2009 - 19:50
Wooooooot?! Du bloggst schon so lange wieder? Und sagst mir nichts?!?! Und wieso funktioniert Dein Feed nicht mehr?!? Bekomme den letzten Artikel aus dem Mai angezeigt.
Frechheit!
Auf jeden Fall eine schöne Geschichte, Frau DiVa. Also, schön geschrieben. Denn schön leben geht anders. (Wobei Wuppertaler Barock jetzt nicht nur schlimm ist! *lol*)
September 13th, 2009 - 19:59
Haben Sie, werter HerrausdemDorf, schonmal an Käthe gerochen? Hätten Sie würden Sie nie wieder aufhören, mit dem richen!
Verkatert, wertes Fräulein Johanna, wäre er auch gerne mal wieder.
Bitte, werte Pirgofabrik, eine ganze Fabrik zu inspirieren hätte ich mir auch nie erträumt.
Ach mein Leben hat wieder einen Sinn, mein lieber MC! Und ich dachte schon sie hätten mich nicht mehr lieb. Oder mit wem muss ich hier schlafen damit der Winkel merkt das die DiVa wieder da ist? Ich werde Ihren Feedreader mal ordentlich verkloppen oder ihm Madame Anique auf den Hals hetzen.
Herzlichst und knapp neben Wuppertal
Ihre DiVa
September 13th, 2009 - 23:28
Und früher, liebes Fräulein Diva,
wären die beiden gern mit Gernot und Inge in Urlaub gefahren,
wenn es sich hätte einrichten lassen. Hat’s aber nicht.
C’est la vie.
Herzlich
Ihr Erdge Schoss
September 14th, 2009 - 06:53
Immerhin kommt er nach dem Pils wieder. Das ist doch mal rosa Realität
September 14th, 2009 - 09:11
Nach Paris, werter Herr Schoss?
Woher wissen Sie, wertes Fräulein Chnübli, dass er nach dem Pils wiederkommt? Haben Sie ihn auf dem Heimweg getroffen?
Herzlichst und war schnell Zigaretten holen
Ihre DiVa
September 14th, 2009 - 10:41
Weil er sich sonst eine andere suchen muss, der für ihn kocht und die Wäsche macht.
September 14th, 2009 - 12:01
er, der enrique aus wuppertal, wird doch nicht….
September 14th, 2009 - 18:14
So wie es aussieht, wertes Fräulein Chnübli, kennen Sie die Männer wie keine Zweite.
Enrique, werter Herr Danimateur? Davon träumt sie nur.
Herzlichst und was sie wohl macht?
ihre DiVa
Oktober 13th, 2009 - 12:17
Erstaunlich, dass sich diese Geschichte in tausenden und abertausenden von Wohnungen überall auf der Welt gleich abspielt.
Falsch, nicht erstaunlich sondern traurig,………………..denn nur der Andere ist nicht mehr so attraktiv wie früher, selbst ist man ja immer noch der muskulöse, mit keinem Gramm Fett behangene, Adonis aus der Jugendzeit…………………….