Die DiVa

DiVa sitzt in Ihrem Plattenladen und staunt nicht schlecht. Dieser Tage ist die Hölle los, alle Nationen stecken den Kopf durch die alte, verglaste und freundlich lächelnde Eingangstür. Inder, Chinesen, Japaner, Thailänder, Franzosen, Amerikaner, Deutsche Sie können sich etwas aussuchen. Plötzlich sieht sie zwischen den ganzen fremdländischen Köpfen einen Blondschopf auf und abhüpfen.

*DIVA!!!* brüllt Lotte, *DIVA!!! Jetzt musst du zuhören mir ist vielleicht etwas passiert hinlängst!*

Die DiVa und alle Nationen schauen gespannt auf Lotte.

*Weisst du, da ist doch diese Ausstellung im Moment, die Schmuckausstellung in Basel, und ich, also ich bin da Chefin von einem Stand!*

Ein Raunen, in chinesisch, indisch, thailändisch, französisch und so weiter geht durch den Laden.

*Ach, neinnein, das ist doch noch garnicht die Pointe!* gröhlt Lotte

*Also, ich durfte ja bei der Lieblingslesbe schlafen, weil die ganz in der Nähe wohnt, und weil ich keine Hotels mag.*

Ein erneutes multilinguales Raunen erfüllt den Raum.

*Nein, nein, nein es geht ja noch weiter. Ich war früher fertig mit arbeiten als die Lieblingslesbe, also hat sie mir Ihren Haustürschlüssel gegeben, und als ich reinkomme treffe ich im Flur auf einer Trittleiter mit Schraubenzieher in der Hand und rotem von einem grünem Stoffhaarband gehaltenen Haarknödel auf dem Kopf, Hanna Barbara.
Hanna Barbara war früher mal Aktionskünstlerin, also so in den 70ern, und in Ihrer Toilette die sich auf dem Gang des Hauses befindet ist das Licht defekt. An der Birne kanns nicht liegen, die hat Sie schon gewechselt.

Ich wollte mich schnellstmöglich an Hanna Barbara vorbeischleudern, doch…

*Ah, endlich, die Lieblingslesbenfreundin?? Irgendeine Ahnung von Elektrizität?*

Nein, Hanna Barbara, weder das eine noch das andere, ich bin EINE Freundin von Lieblingslesbe und Elektizität lass ich mir mit nacktem Oberkörper reparieren, also schönen Abend noch!

*Ach du bist nur während der Messe hier? Eine Freundin von mir ist ja auch Hostesse und die erzählt mir immer wie anstrengend diese Messetage doch sind!*

Ich schaue also an mir runter, gut, ich bin hübsch anzusehen, aber neben den gazellengleichen Messehostessen wirke ich wie ein Rumpelwicht in blond.

Ich arbeite nicht als Hostesse an der Messe, aber die Tage sind schon anstrengend, da freut man sich abends aufs Ausruhen, also schönen Abend noch!

*Ach, dann bist du also eher vom Standbau? Das ist ja noch viel Anstrengender!*

Ich schaue erneut an mir runter.

Ja genau ich bin Standbauer, weisst du, Hanna Barbara, die Nylons sind ja so ungemein praktisch auf der Leiter, und mit den High Heels komm ich problemlos an die Deckenbeleuchtung. Also schönen Abend noch!**

Die DiVa und die multilinugalkulturelle Gesellschaft grinst auf indisch, englisch, französisch, thailändisch und Sie wissen schon.

Lotte wirft sich in Pose und verlässt den Laden, wahrscheinlich will irgendwo im blingbling Land ein Stand gebaut werden.

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