Die DiVa

Der Martin meint:

Februar 6th, 2010

postitgesungene Wahrheiten die so eigentlich auch nur gelogen sind meint der Martin:

Beim ersten Mal tat`s noch weh, beim zweiten Mal nicht mehr so sehr…

Es herrscht Aufregung im Plattenladen und zwar helle! Die Hitliste der *meistegesuchten Plattentitel die wir aber leider nicht führen weil wir sie doof finden, also die Titel nicht sie.* ist vor einigen Minuten mit dem grimmigen runzligen Postangestellen Ronald im Plattenladen eingetroffen.

Ronald bringt die Plattenladenpost schon seit mindestens 76 Jahren, niemand weiss genau welche Post das die 74  Jahre vor Eröffnung des Ladens gewesen sein soll, spricht man Ronald aber darauf an, bellt und knurrt er derart böse, dass man kein weiteres Nachhacken riskieren will. Die Legende behauptet Ronald hat in Plattenladenland bereits so gut wie jeden Hund gebissen.

Nun, die Liste ist da! Alle Stammkunden, ausser Herrn Wagner, der hat zu tun, scharren sich um der DiVa`s Prilblumen Empfangstheke. *Mon Dieu, Cherie- DiVa! Zeig Sie nous endlisch was die clients nischt können kaufen ici!* Madame Anique glüht unter Ihrer Yves  Saint- Laurent Camouflage ein klitzekleinwenig rot hervor.

*Recht hatse dat Madame! Hau ma raus die Kacke!* schluck, Pilseners drittes leer.

*Also meine lieben Freunde und Stammkunden dann wollen wir doch mal sehen was unsere Kunden suchen aber nicht bekommen.* Die DiVa holt tief Luft und beginnt:

  • Piguin Kostüm basteln *Das ist ja der neuste Schrei aus L.A. der Pinguin Look, schlecht für grosse Schritte, aber warm für den Winter* Püppi weiss halt Bescheid über Mode.
  • Wombat Winterstiefel Püppi rutscht nervös auf ihrem Stuhl rum: *Sowas von 2008, Herr Gott nochmal!*
  • Hilfe, ich bin ein Mann und muss einen Rock tragen *Wat guckta mich denn getz alle so an! wir ham abjemacht dat dat unda uns bleibt!* schluck, Jägermeister
  • Leoparden Leggins *Och, Freunde getz müssta aba ma aufhörn! Seid ja nur neidisch auf dat tolle Jesäss in dene Teils!*
  • Weibliche Brüste beim Mann *gnihihi*, Lotte läuft rot an, *Ich hab letztens Pilsener…  huch*
  • Dünne Haare Frisur *Och mon dieu, mit ein bisschen Toupage und Spray für die aare, isch mache die schönste Frisur avec beaucoup de Volume!*
  • Haarige DiVa Die gesammelte Plattenladenkundschaft ist entsetzt. Also wenn man hier etwas mit Sicherheit nicht findet, dann sind es haarige DiVas, wie kann man nur?

Während die Stammkunden sich versuchen zu sammeln geht mit einem Knarren die Tür des Plattenladens auf, sie schimpft kurz mit der Eingangsklingel, da die wiedereinmal ihren Einsatz verpasst hat. Ronald steht da, und lächelt!

*Ich hab meine Job verloren, hab den Pudel von soner Oma zu doll erschreckt, ist an nem Herzkasper gestorben!* WAS? Lotte ist entsetzt. *Der Hund du Göre, nicht die Oma! Jetzt hab ich Zeit, und ich dachte ich such mir mal ne Platte, irgendwas mit viel Wörtern und Sex und Liebe und Regalen, aber ohne Hunde!*

*Komm rein Ronald, das was du suchst, findest du hier vielleicht.*

Die DiVa steht vor dem Olympiahymnen die es für 1 Woche in die Charts geschafft haben- Regal und sucht gerade nach der Hymne von Oer-Erkenschwig 1953. Madame Anique sinniert auf Ihrer Chaiselongue  Zeiten hinterher die sie nächste Woche haben wird und Olpe, ja Olpe sitzt und tut was ein Mann tun muss, nichts.

Mitten in diese Idylle platzt Lotte, die anderen Plattenladenstammkunden sind sich ihr plötzliches Wirbelwind erscheinen schon gewohnt, doch diesmal ist etwas anders. Lotte riecht. Also nicht wie Lotte sonst riecht, ein wenig nach Blumen, frischgewaschenen Haaren und Zuckerwatte. Nein, Lotte riecht unangenehm. Die DiVa dreht sich um, Madam Anique zückt Ihren Yves Saint Laurent Flakon: pfpfpfpfppf… *Mon Dieu, Lott! Tu riescht wie ein Kamel in die Sahara! Was ast du fait?*

*ICH!* schreit Lotte mit Stolzgeschwellter Brust, *ICH werde Sturkopf- Ping-Pong Weltmeisterin! Darauf trainiere ich schon seit drei Tagen! Und ich bin garnicht schlecht, jawohl! Uhund, jajaja ich werde auch noch Unsicherheits- Wrestling Olympiasiegerin! Könnt ihr mir glauben! Ich mach die alle platt!*

Lotte wischt sich den Schweiss von der Stirn. *Du DiVa* raunt sie leise, *Könnten wir zusammen trainieren, bitte?*

Die DiVa nickt, und weiss das sie in spätestens 2 Tagen Ihrer Pflicht als Hoffnungsträgertrainerin entbunden sein wird. Denn Lotte ist 234545 der Durchhaltevermögensweltrangliste.

Der Martin meint:

Januar 11th, 2010

postitMeeresbiologische Vergleiche die man sich merken sollte meint der Martin:
*Du hast die Konzentration eines Octopusses!*

*DiVa, DiVa, DiVa… aber jetzt hör doch mal! Bitte! DIVA!! Menno!* Die DiVa sitzt hinter ihrem Prilblumen Counter mit riesen Kopfhörern und hört das neuste The Doors Album. Lotte sieht sie zwar vor der Theke auf und ab hüpfen, doch heute ist DiVa- Tag, sie mag garnicht zuhören.

Madame Anique beobachtet die Szenerie amüsiert, nimmt einen tiefen Zug Ihrer langen dünnen Mentolzigarette und richtet sich auf Ihrer Chaiselongue her: *Alors, Lotte ma petite, was ist denn die Probleme? Kann isch dir aide?*
*Ich, ich.. also weisst du Madame, ich bin so aufgeregt, ich war im Märchen in Echt mal, gestern, nein vorgestern, ist ja auch egal, also weisst du, ich wollte doch gestern, quatsch vorgestern auch noch in den Plattenladen kommen, weil wir wollten ja Olpe von der *One-Hit Wonder aus den 80ern* Ecke zum *One-Hit Wonder aus den späten 60er* Regal verlegen, weil er immer so verstört geguckt hat wenn WHAM! oder AHA laufen. Ich finde WHAM ja eigentlich ganz toll, vorallem das Weihnachtslied, dass mit dem Schnee und so…*

*Lott cherie, dein Märschen, was ist das für eine Märschen?*

*Ah, jajaja, also ich wollte ja kommen um Olpe wegzuschieben, und dann bin ich in die falsche Bahn gestiegen, also eigentlich nicht in die falsche, aber in eine die ungefähr 300 Haltestellen vor dem Plattenladen angehalten hat und nicht mehr weiterfahren wollte. Und dann dann stand da einer, der guckte auch so verdutzt aus der Wäsche und es war ganz kalt und ich hatte kein Geld, wie Maria kam ich mir vor, weisst du die aus der Weihnachtsgeschichte, nur das ich nicht schwanger bin, und keinen Esel dabei hatte. Aber wo soll man um diese Zeit auch einen Esel herkriegen… Gibt es eigentlich Esel in Plattenladenland? Ich weiss garnicht müsste man mal einen Eselzüchter fragen…*

*Lott!! Die Märschen!* Madame Anique nimmt einen grossen Schluck aus Ihrem silbernen Flachmann.

*Ah ja, also dann sind wir gelaufen, der Verdutzte und ich, und ich habe gesagt ich laufe so lange mit ihm bis ein Esel vorbeikommt* Lotte krümmt sich einen Moment vor Lachen, bis sie Madame Aniques bösen Blick einfängt. *Ähm, ja also dann, dann haben wir geredet und geredet und geredet und geredet, und plötzlich waren wir schon mindestens 10 Kilometer gelaufen, und es war immer noch bitterkalt, aber wir sind weitergelaufen und haben geredet und geredet und geredet. Ach ich sag dir Madame es war so nett. Wir waren plötzlich an einem Park da konnte man die Lichter der ganzen Stadt funkeln sehen, und so ein weisser Schein lag über den Dächern weil es ja so kalt war. Dann sind wir in eine Bar gegangen, weil es war wirklich wirklich kalt, Madame!*
*Isch abe compris, es war froid!*
*Ja genau, und da haben wir dann Glühwein getrunken und Musik über Kopfhörer gehört, obwohl da richtig laut Musik lief, in der Bar. Und dann haben die zugemacht, wir wollten aber immer noch nicht nach hause, darum sind wir noch in einen Irischen Pub. Unglaublich Madame! Das sind ja komische Leute die Iren, darum heissen die wohl auch so, Iren.* Wieder lacht sich Lotte rot, hört augenblicklich auf, als sich Madame Anique anschickt ihre Chaiselongue zu verlassen.

*Jajaja, und dann haben die auch zugemacht in dem Irish Pub und wir haben weiter geredet, bis der Mann, bis der Ire ganz irr wurde und uns verjagt hat. Und dann, ja dann sind wir nach hause gegangen, es war ja schliesslich richtig kalt.*

*Mon Dieu, maintenant, es wird spannend! à la maison, was ist passiert da?*

*Naja was schon, Madame Anique, ich habe meinen Flanell Pyjama angezogen und bin ins Bett gegangen, ah und vorher habe ich mir noch eine Wärmflasche gemacht, was der Junge gemacht hat weiss ich nicht. Aber mal ehrlich, Madame, ist das nicht eine schöne romantische Geschichte? Wie im Märchen oder?*

*Pardonnement? Ihr abt nischt gemacht… also ihr abt nischt Schuschu?*

*NEIN! Naja, nein. Ach menno…nein*

Die DiVA, die natürlich die ganze Zeit zugehört hat unter Ihren Kopfhörern, stellt die Musik wieder an, lächelt und weiss: Lotte wird noch manches Mal kalt sein, bis sie Madame Aniques Schuschu versteht.

Dreh dich nicht um

Dezember 12th, 2009

*Sieh nicht zurück! Wer zurückblickt schaut nicht nach vorne!* Herr Wagner steht vor dem Spiegel und schreit sich an.

*So, beruhigen Sie sich doch Herr Wagner, bitte, sie können doch nichts dafür!* Lotte legt dem traurigen Mann die Hand auf die unrasierte Wange. Ein schöner Mann wäre er, hätter er sich nicht so gehen lassen die letzten Monate. Ein wenig vergessen hatte man ihn fast, so wie er in der *melancholisch traurige Klassiker mit Cello und/oder Kontrabass* Ecke sass.

*Doch immer schaue ich zurück und will haben was ich aufgab, ich bin ein Nimmersatt ein Missgönner ein Entscheidungsphobiker und überhaupt habe ich mein Überich im Taxi nach Roissy liegen lassen. Madame Anique horcht kurz auf um sich dann doch wieder dem neuen Bezug ihrer Chaiselongue zu widmen.

Lotte versteht nicht, was alle wissen. Herr Wagner hat Heimweh, das hat er immer wenn er unglücklich und alleine ist. Immer glaubt er woanders ist es besser schöner weiter.

Als er vor vielen Jahren seine Heimat verliess, war er sicher, er braucht das alles nicht. Braucht keine Verpflichtungen, keine Enge, kein Entscheidungen, abgesehen der das er die nicht braucht. Also packte er seine sieben Sachen und eine Zahnbürste um die Welt zu bereisen. Weit kam er nicht, bereits am ersten Berg blieb er hängen, weinte drei Tage und Nächte: Wie nur sollte er über diesen Berg kommen. Weinend ohne es zu merken überkletterte Herr Wagner den Berg so flink wie der Berg noch nie überklettert worden war. Er drehte sich um und freute sich, schliesslich hatte er soeben einen Berg überquert. Dann traf er auch noch eine schöne Frau in die er sich blind verliebte. Sie lebten beieinander und waren glücklich. Seine Frau war perfekt, schön, sinnlich, intelligent, sie verstand und verehrte ihn. Herr Wagner begann sie zu verabscheuen. nichts passte ihm, sie war zu anders, zu gross zu klein, zu dick, zu dünn, alle anderen Frauen waren schöner, sinnlicher, intelligenter. Er schlief mit ihnen, allen, keine war so wie seine, doch das war ihm egal. Also verliess er seine Frau. Er ging, sie weinte. Nachdem er einige Kilometer gelaufen war, kam er an einen Wald, es war kalt, grau und Nacht. Herr Wagner fühlte sich so einsam, hungrig und leer. Wieder weinte er, wie er sie doch vermisste. Drei Tage lag er weinend vor dem Wald, bis seine Frau kam um ihm etwas zu essen zu machen und ihn nach Hause zu holen. Sie setzten sich nah beeinander und seine Frau streichelte Herrn Wagner den Kopf. Dann stand er auf und ging weinend durch den Wald, wie sie ihn nervte. Als er den Wald durchquert hatte sass am anderen Ende ein alter kleines Männchen mit einer Nickelbrille auf der Nase, einer Hornpfeiffe im Mundwinkel und schlohweissem Haar. Alles was der Alte trug war ein Feinripp Unterhemd, eine grüne Hose und braune Wanderstiefel mit roten Schnürsenkeln.
Herr Wagner setze sich zu dem Männchen, dieser schaute ihn nur an und sagte: *Ich weiss wo du dein Glück findest! Geh in die Stadt dort unten wo die Lichter brennen, dort wirst du einen guten Job, tolle Frauen und wunderbare Freunde finden. Das wird ein Spass!* Der Alte grunzte wischte sich mit seinem Feinripp Unterhemd den Tabak aus dem Bart und verschwand wieder im Wald.
Herr Wagner tat wie das Männchen ihm gesagt hatte, er ging in die Stadt, fand eine tolle Arbeit und sehr nette Menschen die sich die grösste Mühe um ihn gaben, die Frauen lagen ihm zu Füssen, er verdiente viel Geld, Ruhm und Ehre flogen ihm zu. Herr Wagner, ja Herr Wagner war immer ein sicherer Wert. Mit Herrn Wagner konnte nie was schief gehen, er hatte die besten Ideen. doch glücklich war er nie.
Dann hatte er die Nase voll, er ging in den Wald und suchte das alte Männlein, fand es an der gleichen Stelle wie vor vielen Jahren in einem Feinripp Unterhemd, grüner Hose und braunen Wanderschuhen mit roten Schnürsenkeln.
*Ich wusste doch das du wiederkommen würdest! Sag bloss du bist nicht glücklich?* lachte der Alte.
*Nein, ich frage mich jeden Tag nach der Berechtigung meiner Existenz, was tue ich hier? Das hat doch alles keinen Sinn!*
*Möchtest du glücklich sein?* Kicherte der Alte. *Möchtest du das wirklich?* Herr Wagner nickte wild. Unbedingt wollte er das, glücklich sein, alles toll finden und nicht mehr darüber nachdenken müssen, was das alles sollte, warum die Dinge sind wie sie sind und wie sie wären wären sie anders.

*Dein Glück, mein lieber alter Freund, ist das Unglück. Und jetzt mach das du zurück kommst, zu deinen Freunden die dich nicht glücklich machen, zu deinen Frauen die dir das Herz brechen und zu deiner Arbeit die du nie gut genug machst. Und freu dich, denn ohne all das wärst du nichts der traurigste Mensch den ich mir vorstellen kann.*

Mein Name ist Helen, ich bin 22 Jahre alt, Tochter einer Mutter die um mich weint, eines Vaters der mich vergessen hat und ich bin ein Junki. Wie ich hier her gekommen bin und wie ich hier wieder rauskomme weiss ich nicht, ist auch egal, Hauptsache dieser Schmerz geht endlich weg. Der in meinem Kopf, in meinem Bauch, in meinem Herz.  Heute ist Weihnachten, da geht’s um Geld, Geld für Geschenke. Mir geht’s auch um Geld, Geld für Weihnachtsstoff. Sehn Sie, Wenigstens weiss ich warum ich hierhergekommen bin.

*Da grunzt er, warses ja eigentlich nicht wert! Wer weiss was man sich bei dir so holt. Auf den nächsten Schuss!*

Er  lacht höhnisch und schmeisst 50 Mark auf das schmuddelige Sofa, kneift mir zu fest in die linke Brust, kratzt sich an den Eiern und verlässt schnaubend den Raum.

Ich zittere, vor Kälte, Wut und Schmerzen. Ich bin auf turkey, kenn Sie das? Der zieht dir durch den ganzen Körper. Schmerzen im Magen, heiss und kalt ist dir dann und das Licht könnte nicht greller sein. Eigentlich war`s ja schon viel zu spät für den nächsten Freier, der letzte Schuss viel zu lange her. “Streng dich mal ein bisschen an, verdammt, das kann doch nicht so schwer sein jemanden zum ficken zu finden hier!” schrie Tim. “Verdammt Tim, es ist arschkalt und an Weihnachten sind alle bei ihren Familien, verfickte Christkindharmonie, da geht keiner raus um.. ja du weisst schon!* aber Tim hat so fürchterlich am ganzen Körper gezittert, was sollte ich denn machen. Er zog sich die durchlöcherte Jacke bis zu den Ohren und schubste mich in Richtung Strasse. “Nicht wenn du hier so dumm rum stehst! Beweg deinen Arsch an die Strasse, du machst das doch nicht zu ersten Mal, die Reichen haben genug von ihren dämlichen Familien, also ab aufn Rücken!*

Tim hat ja Recht,  ich mache das nicht zum ersten Mal. Ich mache das zum ich habe vergessen wievielten Mal, aber, es war seine Idee, damals. Ah, fangen wir vorne an. Ich habe Tim während des Studiums kennengelernt. Nicht das ich jemals Einserschülerin gewesen wäre, aber für die Uni hat es mit Nachhilfestunden und viel Gürtelhilfe von Vater gereicht. Dann halt Betriebswirtschaft hatte Vater befohlen. Dann halt Betriebswirtschaft. Tim war bei den Medizinern, gross, geheimnissvolle Smaragdaugen, sein süsses Lächeln riss mir den Boden unter den Füssen weg. Damals, auf dieser Party. Das war nun 3 Jahre her. Vater hatte seit dem nichts mehr befohlen, Tim schon. *Nur ein kleiner Stich, das macht nichts, danach fühlst du dich wie ein neuer Mensch.* Geradezu sanft hat er die Nadel angesetzt, Wärme, Geborgenheit, Glück, Schwindel, wie der Duft nach Zimt aus der Küche zu Weihnachten, so fühlte es sich an, das erste Mal. Dass es nie wiederkehren würde, hat Tim nicht gesagt, und da bin ich nun und jage ihm nach, dem Gefühl von Weihnachten mit fünf, kennen Sie das? Wenn man vor der Wohnzimmertür steht, den Duft von Kerzen riecht und das Rascheln von Geschenkpapier hört, man will das immer immer immer.

Am Anfang konnte ich meinen Eltern noch erzählen das ich wegen dem Druck an der Uni so dünn werde, aber Als aus dem Tresor 500 Mark und Grossmutters Erbstücke fehlten, rastete Vater das erste Mal, das erste von unendlichen vielen Malen. Ich weiss nicht wie viele geklaute Mark später schmiss er mich raus. Mutter stand weinend daneben. *Die kommt schon wieder, wirst sehen, Hilde, die hält das nicht aus alleine!*

Ein paar Monate lang brachte Mutter mir heimlich Geld. *Ja Mama, ich kaufe mir bestimmt was zu Essen davon, wirklich, wirklich!* log ich. Bis Vater dahinter kam und es verbot. Was hätte ich denn machen sollen? Betteln wollte Tim nicht. “Scheisse Helen, weisst du wie lange ich da an der Strasse stehe? Soviel verdienst du in 10 Minuten, mach doch einfach die Augen zu und denk an was schönes, ans Meer, du faselst doch immer davon dass du da irgendwo hinwillst, Milch aus Kokosnüssen trinken und so scheiss. Denk doch da dran!” Read more »

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