Der Asphalt surrt, die Stadt glüht. Mädchen fahren mit zu kurzen Röcken auf zu alten Fahrrädern, Autofahrer können sich nicht entscheiden, hinter den Mädchen fahren und sich der Illusion hingeben, dass man nur den Arm ausstrecken muss um ihnen an den Hintern zu fassen oder den Mädchen entgegenkommen um einen Blick unter die zu kurzen Röcke zu erhaschen. Wahrscheinlich ist beides tagrettend. Urbane Junge flüchten in das bisschen Stadtnatur, dass die Planer haben anlegen lassen, und rasten wegen eines Frosches im hohen Schilf aus. Alle 5 Meter raucht ein Gill am Fluss, schöne Körper werden möglichst ungewollt in Szene gesetzt. Zufällig will man aussehen.
Die Sonne versucht mich zu blenden, als ich die Augen öffne und direkt auf eine schwarze mich angrinsende Hundeschnauze schaue. Er hat die schwer bewachte Wurst vom Grill geklaut und sich einverleibt. Wachdienst war noch nie meine Stärke, ich bin eingeschlafen, wie der Sonnenbrand auf meiner Nase beweisst. Mistvieh denke ich, aber zum Glück sind die von Bell so schlau und packen 2 Würste in eine Packung, ich muss also nicht mitten in der wilden Stadtnatur verhungern, hier wo mich doch eh niemand finden würde und mich Frösche und Ameisen innerhalb kürzester Zeit so zerfressen hätten dass ich nur noch anhand meiner Zähne identifizierbar bin. Völlig klare Sache, denke ich und starre den Hund, an der fast mein Todesurteil gebellt hätte.
Hübsch ist er, fährt es mir durch den Kopf, so schön gezeichnet und treudoofe braune Augen hat er, ich werde ihn Rüdiger nennen und behalten. Schliesslich hat der Penner vorhin gesagt er sei ein Streuner, der sich an niemanden binden kann. Ich werd ihn an mich binden, mit Kalbsbratwurst wenn es sein muss. Ich gebe Rüdiger auch die zweite noch rohe Kalbbratwurst, er legt sich zufrieden ins Gras und ich kuschle mich auf seinen rundgemütlichen Bauch. Rüdiger und ich, der kalbsbratwurstfressende Streuner und die Wurstwachniete das wird ein Team! Der Wind dreht und vom Einweggrill nebenan weht der Geruch nach Steak zu uns rüber. Rüdiger springt auf und galoppiert dümmlich grinsend entgegen des Windes, mein Kopf landet im Gras. Ich springe auf, rufe ihm hinterher, locke ihn mit Brot und Tomaten, er dreht sich nichtmal um. Kalbsbratwurst habe ich keine mehr. Vielleicht habe ich ihm zu schnell gegeben was er wollte. Mit einer weiteren Wurst hätte ich noch etwas länger auf seinem Bauch liegen können.
Es ist dunkel. Die Stadt kühlt aus. Nachschwärmer beleben leise schüchtern die Gassen. Ich fahre mit meinem zu kurzen Rock auf meinem zu alten Fahrrad. Der Wind weht mir um die Nase. Ich biege links ab in meine Strasse. Der Metzger an der Ecke verkauft Kalbsbratwürste.

gesungene Wahrheiten die so eigentlich auch nur gelogen sind meint der Martin: